In der 2. Runde des DHB-Pokals verliert die Sellin-Sieben gegen die heimstarke HSG Nordhorn-Lingen. Der ambitionierte Aufstiegsanwärter aus der 2. Handball-Bundesliga verlangte dem fränkischen Vertreter, der ohne fünf (!) Stammspieler angereist war und weitere Ausfälle verkraften musste, alles ab. Am Ende stand ein 35:32 für den Gastgeber auf der Anzeigetafel.
Im äußersten Südwesten Niedersachsens erwartete eine motivierte Truppe den HC Erlangen. Nordhorn erwischte die etwas zielstrebigere Anfangsphase, ging früh in Führung und profitierte von einem blendend aufgelegten Kristian van der Merwe im Tor sowie der bekannt starken Abwehrformation. Nach etwa zehn Minuten stand es 7:4 für den Gastgeber. Was jedoch noch schlimmer schien: Neben den bereits im Vorfeld ausgefallenen Spielern (Firnhaber, Olsson, Kos, Buck und Kristjánsson) ging es auch bei Maciej Gebala nicht weiter. Der polnische Nationalspieler biss zunächst auf die Zähne und stellte sich für den nicht spielberechtigten Tobias Buck (im Pokal bereits für den TV Großwallstadt eingesetzt) im Mittelblock zur Verfügung, konnte jedoch schon bald nicht mehr weiterspielen. Doch der HCE zeigte sich davon noch unbeeindruckt und kämpfte sich sukzessive in die Partie hinein. Selbst als Nordhorn in der 15. Minute auf 10:6 stellte, blieb der HCE im Spiel, arbeitete weiter konzentriert – und belohnte sich.
Mit Moral zurück ins Spiel
Nachdem Johannes Sellin von der Bank eingriff, fanden die Erlanger immer besser in die Partie. In der Offensive zeigten die Franken ihre Durchschlagskraft und kämpften sich angeführt von Andri Rúnarsson wieder heran. Torhüter Khalifa Ghedbane parierte zudem wiederholt stark und auch im Rückzug agierte Erlangen diszipliniert. Rúnarsson, Nissen und Steinert brachten den HCE wieder auf Augenhöhe – beim 13:13 war der Ausgleich geschafft. Angeführt vom auffälligsten HSG-Akteur, dem Linkshänder Frieder Bandlow, gelang der HSG jedoch immer wieder die Führung, ehe mit der Schluss-Sirene der ersten Halbzeit Florian Scheerer zum 17:16-Anschluss traf.
Abnutzungskampf in Halbzeit Zwei – und ein weiterer Ausfall
Die Gäste aus Franken stellten sich für den Beginn des zweiten Durchgangs etwas besser auf das Angriffsspiel der HSG ein und konnten in den ersten Minuten eine enge Führung (18:19 / 35. Spielminute) verbuchen. Trotz des nächsten Ausfalls – der 17-jährige Lochman (3 Treffer) musste den verletzten Antonio Metzner für den Rest des Spiels vertreten - entwickelte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Gastgeber erwiesen sich als unbeirrt zäher Gegner und dämmten unter anderem den Dunstkreis vom zuletzt überragenden Nissen ein, der aber auch aufgrund der Ausfälle von Buck und Gebala vermehrt im Innenblock gefragt war und sich dort aufreiben musste. Und auch sonst schienen die Kräfte der verbliebenen HCE-Akteure allmählich zu schwinden. Nach 45 Minuten nutzte Nordhorn das Momentum, um die Führung zurück zu erkämpfen (27:26) und so kehrten beide Teams in die Schluss-Viertelstunde ein.
Knapp zehn Minuten vor dem Ende kassierte der HCE schließlich eine empfindliche 2-Minuten Zeitstrafe und kurz darauf das 31:29. Steinert und Nissen sorgten noch zwei Male für den Anschlusstreffer, doch gerade der 23-jährige Bandlow hatte an diesem Abend immer die richtige Antwort parat. Zusammen mit den Fans mutierte nun der Gäste-Abwehrverbund zu einer wahren Wand, während die Kräfte des bayerischen Bundesligisten schwanden. Der erfolgreiche Bandlow-Siebenmeter eine gute Minute vor Schluss zum 34:31 sorgte letztlich für die Entscheidung, das Endergebnis von 35:32 war selbst mit der offenen Deckung des HCE nicht mehr zu verhindern.
Nordhorn erwies sich als der erwartet starke Gegner, der mit seinem Kampfgeist und einem heute überragenden Frieder Bandlow (11 Treffer) den Heimvorteil durchaus nutzte und gegen den dezimierten HC Erlangen einfach den längeren Atem hatte. Bei der Mannschaft aus der Metropolregion heißt es nun: Schnell regenerieren und die Wunden lecken. Mit den Füchsen Berlin kommt nämlich kein geringerer als der Deutsche Meister in das fränkische Handball-Wohnzimmer (Samstag, 04.10., 20.00 Uhr).
Quenstedt, Ghedbane, Genz, Metzner (3), Nissen (7), Øverjordet (3), Rúnarsson (6), Steinert (7), Bialowas, Bissel (1), Gömmel, Lochman (3), Gebala, Scheerer (2), Willax



