Was für eine Wahnsinns-Schlacht im „Thüringer Kessel“! Der HC Erlangen hat am Donnerstagabend bewiesen, dass er niemals aufgibt. Auch nicht an dem Ort, wo Eisenach all seine Punkte geholt hatte und selbst dem THW Kiel die Stirn bieten konnte. Nach einer spektakulären Aufholjagd entführt der HCE beim ThSV Eisenach ein hochverdientes 25:25-Remis. Ein Punkt, der sich wie ein Sieg anfühlt! 

Vier Minuten dauerte es, dann zündete der HCE erstmals! Während Youngster Tim Gömmel nach einem Zuckerpass von Øverjordet eiskalt blieb, sorgte Viggó Kristjánsson für den ersten Meilenstein des Abends: Mit einem verwandelten Siebenmeter hämmerte er sein 1000. Tor in der Handball-Bundesliga in die Maschen. Legenden-Status: Check! Zur Pause hieß es trotzdem 13:10 für die Gastgeber, doch der HCE war längst im Kampfmodus.

In der zweiten Hälfte schien das Eisenacher Tor zunächst vernagelt, doch der HCE biss sich rein – zu keinem Zeitpunkt verloren die Mittelfranken den Glauben an ihre eigenen Stärken. Das machte sich bezahlt: Khalifa Ghedbane parierte einen Tempogegenstoß so spektakulär und genau zum richtigen Zeitpunkt, dass selbst die Thüringer Fans kurz die Luft anhielten und der berüchtigte Hexenkessel verstummte. Für weiteren Eisenach-Frust sorgten derweil Florian Scheerer und Tobias Buck im Mittelblock. Im Kollektiv ersetzten sie mit flinken Beinen den frühzeitig angeschlagen ausgewechselten Maciej Gebala und dämmten die Dunstkreise der heimischen Angriffe mit unfassbarem Geschick ein. Die Führung der Eisenacher schmolz peu à peu dahin!

Neun Minuten vor Ende war es soweit: Marek Nissen erzielte den Ausgleich zum 22:22 und verwandelte die sonst so laute Halle in eine Bibliothek, Christopher Bissel legte mit der ersten Erlanger Führung (23:22) des Abends nach. Die letzten 60 Sekunden beim Stand von 25:25, waren eine pure Nervenschlacht. Eisenach drückte neun Sekunden vor Schluss den Auszeitbuzzer, doch die Erlanger Abwehr stand erneut wie eine Wand aus Beton. Kein Durchkommen! Mit Leidenschaft und Herz verteidigte der HCE das Unentschieden und belohnte sich für eine furiose Aufholjagd.

Wer in Eisenach so zurückkommt, hat vieles richtig gemacht. An der Wartburg haben die Gastgeber diese Saison erst zwei Spiele verloren, der nächste Heimsieg war den Blauen zum Greifen nahe. Aber nicht mit dem HCE! Trotz des jugendlichen Durchschnittsalters von gerade einmal 21 (!) Jahren raubte das Duo Buck/Scheerer im Mittelblock den Nationalspieler-Granden wie Aellen oder Solak den Nerv. Aber auch der Rest des Teams bewies die notwendige Mischung aus Moral und Ruhe, um die äußerst hohe Hürde Werner-Assmann-Halle zu nehmen. Mit diesem Erfolgserlebnis in der Tasche geht´s nun kommende Woche weiter mit dem wichtigen Heimspiel gegen GWD Minden am 08.03. (16.30 Uhr) in der PSD Bank Nürnberg ARENA.

Khalifa Ghedbane, Tin Herceg, Andri Rúnarsson (2), Marek Nissen (6), Yannik Bialowas, Florian Scheerer (1), Sebastian Firnhaber, Christopher Bissel (3), Antonio Metzner (3), Tobias Buck, Viggó Kristjánsson (3), Maciej Gebala, Tim Gömmel (2), Sander Øverjordet (5)