Im Aufeinandertreffen zwischen dem HC Erlangen und dem TVB Stuttgart war von der ersten Sekunde an zu spüren, dass beide Teams nicht sehr glücklich mit dem bisherigen Saisonverlauf waren und auf Widergutmachung aus sind. Es ging von Anfang an hin und her, jeder Treffer eines Teams wurde prompt erwidert, so stand es nach einer ausgeglichenen Anfangsphase 6:6. Anschließend vermochten es die Gäste erstmals, sich abzusetzen und zogen mit drei Treffern davon. Doch eine Sellin-Auszeit nach knapp 17 Minuten trug ebenfalls Früchte, sodass der HCE wieder ausgleichen konnte (11:11). Die letzten Aktionen des ersten Abschnittes gehörten dann aber wieder den Gästen, bei denen sich vor allem Kai Häfner (5 Treffer) und Neuzugang Gianfranco Pribetic (6 Treffer) als besonders gefährlich erwiesen, sodass beide Teams mit einem 13:14 in den Kabinen verschwanden.

Nach dem Seitenwechsel erwischten die Erlanger den besseren Start, glichen erst aus, gingen darauf in Führung und zogen erstmalig selbst mit drei Toren Vorsprung in Front (19:16). Es war die Phase der Partie, in der die 4.687 Fans in der ARENA richtig laut wurden und der Heimmannschaft gelang sehr viel, unter anderem ein spektakuläres Gegenzug-Tor von Christopher Bissel (mit fünf Treffern bester HCE-Werfer), nach langem Zuspiel von Ferlin. Die Halle kochte, doch in genau dieser Phase verpasste es die Sellin-Sieben, sich auf fünf Tore abzusetzen. Ein freier Wurf vom Kreis oder auch ein Sieben-Meter brachte man nicht im Gehäuse von Miljan Vujovic unter, sodass es beim 24:20 blieb. Die Schwaben waren weiterhin am Leben, tasteten sich erst mit einem Drei-Tore-Lauf heran und verharrten in Schlagdistanz. Das Spiel bewegte sich auf einen packenden Showdown zu und zumindest in puncto Spannung gab es keine Enttäuschung: In der absoluten Schlussphase tobten die Fans auf den Rängen, als erneut Bissel zum Gegenstoß ansetzte und vom gegnerischen Verteidiger zu Fall gebracht wurde. Die Pfeifen der Unparteiischen blieben allerdings stumm und die Gäste glichen aus (25:25). Auch der resultierende Ballbesitz für den HCE brachte keinen Ertrag, sodass der TVB mit Einbruch der letzten Minute die Chance auf die Führung hatte und diese trotz angezeigten Zeitspiels und Ferlin-Parade per Nachwurf nutzte. Eine HCE-Antwort blieb auf diesen Nackenschlag aus, sodass mit dem 25:26 auf dem Videowürfel die Schlusssirene ertönte.

Auch wenn nach 60 Minuten eine denkbar bittere Niederlage steht, überzeugte der einzige bayerische Erstligist nach zuletzt schwächeren Auftritten erstmals kämpferisch auf ganzer Ebene: Die Einstellung und der Wille waren die gesamte Zeit über zu spüren, trotz der vielen angeschlagenen (Nissen, Gömmel, Büdel, Ferlin) und den weiterhin Verletzten (Gebala, Firnhaber) sowie den nicht spielberechtigten Bezjak. Dennoch war man denkbar nahe an den verdienten zwei Zählern, doch das Quäntchen Glück bei diversen Abprallern oder der mehr als umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidung bei der Abwehraktion gegen Christopher Bissel, blieb den Franken an diesem Abend verwehrt.

Ferlin, Ghedbane, Seitz, Nissen, Overjordet (4), Scheerer (1), Büdel (1), Bissel (5), Metzner (4), Svensson (1), Link, Steinert (2), Wagner (1), Olsson (3), Gömmel (2), Bauer (1)