Das letzte Heimspiel des Jahres brachte für den HC Erlangen vor ausverkaufter Halle einen wahren Handballkrimi mit sich. Nachdem die Melsunger den besseren Start erwischten, bewies der HCE unglaublichen Kampfgeist und erarbeitete sich immer wieder den Ausgleich, kurz vor Schluss sogar die Führung. Nach einer nervenzerreißenden Crunchtime endete das Spiel durch eine Achterbahnfahrt der Gefühle unentschieden (26:26).

Am Samstagabend traf der HC Erlangen vor einer großartigen Kulisse im Rahmen der legendären Black Night auf die MT Melsungen. Die Gäste erwischten den besseren Start in der PSD Bank Nürnberg ARENA und konnten nach fünf Minuten durch Nikolaj Enderleit bereits mit 0:3 in Führung gehen. Trotz der lautstarken Unterstützung des Publikums tat sich der HCE im Angriff schwer und leistete sich in der Anfangsphase einige Fehlwürfe. Allerdings gaben sich die Erlanger nicht auf, Viggó Kristjánsson verwandelte einen Siebenmeter und verkürzte auf 1:3. Nachdem Johannes Sellin die erste Erlanger Auszeit genommen hatte, kamen die Gastgeber besser ins Spiel. Florian Scheerer und Maciej Gebala hielten den einzigen bayerischen Bundesligisten in der Partie (4:6).

Erlanger zeigen Kampfgeist

Unter tosendem Applaus gelang dem HC Erlangen durch Viggó Kristjánsson nach knapp zwanzig Minuten schließlich der Ausgleich zum 8:8. Spätestens in dieser Phase entwickelte sich ein Handballfight auf Augenhöhe, bei dem beide Teams bis zur letzten Sekunde um jeden Ball kämpften. Auch wenn es der MT immer wieder gelang in Führung zu gehen, ließen sich die Gastgeber nicht mehr abschütteln. Kurz vor der Pause mussten die Nordhessen nach einem Foul an Sander Øverjordet eine rote Karte gegen Rubén Marchán hinnehmen und dezimierten sich damit selbst. Nikolaj Enderleit avancierte in dieser Phase zum prägenden Spieler der Gäste und erzielte allein in der ersten Hälfte sieben Treffer bei einer Quote von 100 Prozent. Gute Antworten hatte der HCE jedoch auch parat: Mit der Halbzeitsirene verkürzte Kapitän Christopher Bissel auf 15:16.

Die zweite Hälfte begann mit Tempo und einem erneut besseren Start für die Gäste. Dimitri Ignatow erhöhte auf 15:18. Wie schon im ersten Abschnitt behielten die Erlanger einen kühlen Kopf, Christopher Bissel lieferte den Assist, Viggó Kristjánsson verwandelte sehenswert per Kempa zum 16:18. Allerdings leisteten sich die Franken zu viele Fehlwürfe im Angriff, wodurch sich die MT Melsungen erneut absetzen konnte (16:19).

Nichts für schwache Nerven

Mit Beginn der Schlussphase gelang es Viggó Kristjánsson auf 19:21 zu verkürzen. Mit den Fans im Rücken erzielte Sander Øverjordet kurz darauf den Anschlusstreffer zum 20:21 – schon jetzt tobte die ARENA. Eine Parade von Tin Herceg ließ die Fans des HCE völlig aus ihren Sitzschalen aufspringen, unter Standing Ovations traf zudem Youngster Hans-Lukas Willax zum erneuten Ausgleich (23:23) und die Halle bebte. Der Handballkrimi des Hinspiels schien sich zu wiederholen. Als Tin Herceg den nächsten Wurf der Gäste parierte und Viggó Kristjánsson auf der Gegenseite zur ersten Führung des HC Erlangen traf, explodierte die ARENA förmlich.

Der nächste Heimsieg schien zum Greifen nah. Zwanzig Sekunden vor Schluss hatte Erlangen die erneute Möglichkeit in Führung zu gehen. Jeder der 8.400 Zuschauer stand schon längst als Sander Øverjordet sich ein Herz fasste und den Ball zum 26:25 im Tor versenkte. Melsungen nahm eine letzte Auszeit, es blieben 14 Sekunden auf der Uhr. Olle Forsell Schefvert verwandelte zum 26:26, doch nach Videobeweis gab es einen letzten Siebenmeter für die Erlanger nach Ablauf der Spielzeit. Das Spiel hätte kein spektakuläreres Drehbuch bekommen können, doch das ganz große Happy End verwehrte Kristóf Palasics, der den Wurf von Viggó Kristjánsson hielt und für die Nordhessen den Punkt rettete.

Erlangen krönt Hinserie mit dem Punkt gegen Melsunger Starensemble

Auch wenn der HCE am Ende keinen zweiten Punkt in eigener Halle behalten konnte und die Enttäuschung im ersten Moment groß war, ist dieses Unentschieden gegen die MT Melsungen ein weiteres Zeichen für die tolle Entwicklung, die das Team von Johannes Sellin in dieser Saison gemacht hat. 14 Punkte zum Weihnachtsfest sind eine erhebliche Steigerung zum Vorjahr, als der HCE den Jahreswechsel noch mit fünf Zählern beschließen musste. Erneut hat der HCE gezeigt, dass er mit Willenskraft, Moral und der lautstarken Unterstützung der Fans auch gegen große Favoriten punkten kann. Nach dem Kiel-Spiel (26.12.) und der anschließenden EM-Pause will der einzige bayerische Bundesligist am 10. Februar gegen den TSV Hannover-Burgdorf diese Heimstärke untermauern und mit einem Sieg ins neue Jahr starten.

Dario Quenstedt, Tin Herceg, Maciej Gebala (2), Marek Nissen (2), Christopher Bissel (1), Lars Genz (1), Tobias Buck, Yannik Bialowas, Christoph Steinert, Hans-Lukas Willax (2), Maxsim Lochman, Viggó Kristjánsson (10), David Sehnke, Tim Gömmel (4), Florian Scheerer (1), Sander Øverjordet (3)